Notwendige ISO Zertifizierungen für Rüstungsaufträge in der Industrie
In der Rüstungsindustrie werden Produkte hergestellt, die besonderen Anforderungen und Belastungsproben genügen müssen. Daher müssen sowohl Hersteller von militärischen Geräten als auch deren Zulieferer unter sehr strikten Rahmenbedingungen operieren. In dieser Seite erklären wir welche Zertifizierungen für die Rüstungsindustrie von großer Bedeutung sind, um lukrative und langjährige Rüstungsverträge zu sichern. Unsere Berater verfügen über militärische Expertise aus dem Einsatz im Militär verschiedener NATO Länder. Dadurch verstehen wir die besonderen Anforderungen an die Herstellung und Wartung von militärischer Ausrüstung. Wir begleiten unsere Kunden während des Zertifizierungsaudits der vertrauensvollen Zertifizierungsstellen.
ISO Zertifizierungen in der Rüstung
Im Rüstungssektor sind Qualität, Vertraulichkeit und Sicherheit die wichtigsten Aspekte bei militärischer Ausrüstung, um den Soldaten besten Schutz und Schlagkraft zu gewährleisten. Mit den ISO Zertifizierungen werden Management Systeme in vielen Branchen zertifiziert. Im Bereich der Militärischen Ausrüstung und Versorgung gibt es erhöhte Anforderungen an Lieferanten.
Qualitätsmanagement in der Rüstung (ISO 9001)
Da militärische Ausrüstung besonderen Belastungen im Gefecht ausgesetzt sind, müssen sie deutlich höheren Sicherheitsanforderungen genügen. Dabei geht es nicht nur in der Fertigung um die Geheimhaltung militärischer Informationen über die Eigenschaften der jeweiligen Rüstungsgüter aber auch um die Einhaltung der vorgegebenen Qualitätsparameter. Dies können Rüstungsbetriebe nur durch ein zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem nach ISO 9001 gewährleisten.
Umweltmanagement in der Rüstung (ISO 14001)
Bei der Herstellung von militärischer Ausrüstung entstehen Abfälle und Schadstoffe. Durch eine gezielte Vermeidung bzw. Verringerung der unvermeidbaren Belastung der Umwelt, können Rüstungsbetriebe ihre Produktion weitgehend umweltschonender gestalten. Staatsaufträge knüpfen immer häufiger Umweltaspekte an einen mehrjährigen Liefervertrag. Um die Auflagen der Auftraggeber zu erfüllen, müssen Unternehmen in der Rüstungsindustrie ein Zertifikat nach ISO 14001 nachweisen.
Informationssicherheit in der Rüstung (ISO 27001)
Die Geheimhaltung militärischer Informationen ist existentiell für Anbieter von Rüstungsgüter. Daher unternehmen die Rüstungsbetriebe viele physische und technische Schutzvorkehrungen. Dennoch erwarten Großkunden einen neutralen Nachweis über die Informationssicherheit durch die Zertifizierung eines ISMS nach ISO 27001:2022.
AQAP NATO - Anforderungen zur Qualitätssicherung
Um Aufträge im Bereich der Rüstung zu erhalten, müssen Unternehmen strengen Qualitätssicherungsanforderungen der NATO AQAP (Allied Quality Assurance Publications) erfüllen. AQAP ist somit eine wichtige Grundlage des Qualitätsmanagements bei Aufträgen der NATO Bündnispartner. Mit einer AQAP Zertifizierung können Unternehmen zielgerichteter und effizienter ihre Produkte bei den Streitkräften der NATO platzieren. Der NATO AQAP Standard ist ein sehr hilfreiches Kriterium bei der Wehrbeschaffung der Deutschen Bundeswehr, British Armed Forces oder des US Verteidigungsministeriums bzw. Pentagon.
Was ist die AQAP?
Mit AQAP hat die NATO einheitliche technische Standards und Richtlinien entwickelt. Dadurch standardisiert die NATO ihre Qualitätssicherung in der Rüstungs- und Verteidigungsindustrie. Die AQAP liefert eine Reihe von Anforderungen und Empfehlungen für die Planung, Entwicklung, Produktion, Wartung und Instandhaltung von militärischen Ausrüstungen, Systemen und Dienstleistungen. Um eine gemeinsame Wehrhaftigkeit zu gewährleisten, müssen NATO Partner einheitliche Ausrüstung und Standards sicher stellen. so kann ein Versorger eines Nato-Partner die Streitkräfte eines anderen Partners bei gemeinsamen Einsätzen mit den notwendigen Betriebsmitteln (z.B. Treibstoff, Munition, Schmierstoffen) versorgen und gleichzeitig sicherstellen, dass dabei die Ausrüstung der befreundeten Truppen nicht beschädigt werden. Damit hat die NATO eine Einheitlichkeit, Effizienz und Wirksamkeit in der Beschaffung und Versorgung erreicht. Die AQAP Qualitätskontrollprozesse verbessern die Interoperabilität in gemischten Verbänden.
Was regelt die AQAP der NATO?
Bei Vertragsvereinbarung greift das Beschaffungsamt der Streitkräfte des jeweiligen NATO Mitglieds auf die Anforderungen aus der AQAP. Hierdurch kann ein standardisierter Vertragswerk erstellt werden, der es dem Bündnispartner und dem Lieferanten hilft effizienter zusammen zu arbeiten. Somit werden die Anforderungen aus den AQAP zum Vertragsbestandteil. Abhängig vom Qualitätsrisiko und der Komplexität werden unterschiedliche AQAP Richtlinien berücksichtigt. Dabei sollen diese AQAPs unterschiedliche Sachverhalte in Einklang bringen.
Folgende AQAPs sind unbedingt zu berücksichtigen bei der weiteren Planung für künftige Lieferungen und AQAP Zertifizierungen:
- AQAP 2110 beinhaltet die Anforderungen der ISO 9001, die durch NATO-Zusatzbestimmungen ergänzt wird.
- AQAP 2131 legt die Vorgehensweise bei Endprüfungen und dazugehörigen Einsatztauglichkeitstests fest.
- AQAP 2105 legt die Anforderungen für einen vom Auftragnehmer abzuliefernden, vertragsbezogenen Qualitätsmanagementplan fest.
- AQAP 2210 ergänzt AQAP 2110 und 2310 um softwarespezifische Qualitätssicherungsanforderungen.
- AQAP 2310 richtet sich an Leistungserbringer (z.B. Zulieferbetriebe) im Rahmen besonders komplexer Projektierungen im Bereich der Luft-, Raumfahrt- und Verteidigungswirtschaft. Diese Norm enthält die Anforderungen der EN Norm 9100. Sie wird ergänzt durch NATO-Zusatzbestimmungen.
AQAP Zertifizierung
Unternehmen können ihre Konformität mit den AQAP-Standards durch eine Zertifizierung nachweisen. Das Zertifizierungsverfahren ist speziell auf die Anforderungen der NATO zugeschnitten. Unabhängige Prüfstellen auditieren das jeweilige Unternehmen und erteilen nach Erfüllung der Prüfrichtlinien das begehrte AQAP Zertifikat. Dabei führt die Zertifizierungsstelle seine jährlichen Überwachungsaudits um sicherzustellen, dass die AQAP Standards eingehalten werden.
AQAP Prüfstellen
Für die Durchführung der AQAP Zertifizierung sind in jedem NATO Land bestimmte Zertifizierungsstellen benannt. In Deutschland übernimmt dies die Zentralstelle für technische Qualität (ZtQ) der Bundeswehr. Die Regionalstellen sind für die amtliche Qualitätssicherung (Güteprüfung) im Rahmen von AQAP-Aufträgen zuständig.
Kontext der AQAP Prüfstellen
Eine AQAP Prüfstelle ist im Kontext der Allied Quality Assurance Publications (AQAP) tätig. Sie führt Qualitätsprüfungen von Produkten und Dienstleistungen im militärischen Bereich durch. Diese AQAP Prüfungen stellen sicher, dass die gelieferten Güter und Leistungen den hohen Qualitäts- und Sicherheitsstandards der NATO entsprechen.
Rolle der AQAP Prüfstellen
Eine AQAP Prüfstelle spielt eine wichtige Rolle bei der Gewährleistung der Qualität und Sicherheit von Produkten und Dienstleistungen im militärischen Bereich. Die AQAP Prüfstelle überwacht die Einhaltung der Anforderungen der NATO-Normen. Dadurch trägt sie zur Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit der Verteidigungssysteme bei.
Aufgaben der AQAP Prüfstellen
Folgende Aufgaben hat eine AQAP Prüfstelle:
- Prüfung von Qualitätssicherungssystemen:
Die Prüfstelle bewertet, ob das Qualitätsmanagementsystem eines Unternehmens den AQAP-Anforderungen entspricht. - Prüfung von Produkten und Dienstleistungen:
Die Prüfstelle führt Prüfungen an den gelieferten Produkten oder Dienstleistungen durch, um sicherzustellen, dass sie den vertraglich vereinbarten Spezifikationen und Standards entsprechen. - Risikobewertung und -minderung:
Die Prüfstelle bewertet Risiken im Zusammenhang mit der Qualität und Sicherheit der Produkte und schlägt Maßnahmen zur Risikominderung vor. - Überwachung von Prozessen:
Die Prüfstelle überwacht Produktionsprozesse und andere relevante Bereiche, um sicherzustellen, dass die Qualitätsstandards eingehalten werden. - Bestätigung der Konformität:
Die Prüfstelle kann die Konformität mit den AQAP-Anforderungen bestätigen und entsprechende Bescheinigungen ausstellen.
Güteprüfstellen beim Auftragnehmer
Auftragnehmer können eigene interne Güteprüfstellen betreiben. Diese müssen im Rahmen ihrer Verantwortlichkeiten tätig sein. Nicht jeder NATO Auftragnehmer kann eigene interne Prüfstellen verwenden, um Zertifikate auszustellen. Die jeweilige Prüfstelle sollte im Prüfbereich die notwendige Sachkunde besitzen.
Allied Quality Assurance Publications
Die Allied Quality Assurance Publications (AQAP) sind von der NATO entwickelte Normen für Qualitätssicherungssysteme. Diese Normen sind fester Bestandteil bei allen Aufträgen im militärischen Bereich.
Aktuelle AQAP Normreihe
Die aktuelle Ausgabe der AQAP Normen sind in der 2. Ausgabe der AQAP 2000-Reihe definiert. Die AQAP-2000 Reihe besteht aus den Leitfäden AQAP 2000 und AQAP 2009. Diese werden durch die vertraglichen Qualitätssicherungsanforderungsdokumenten AQAP 2110 bis AQAP 2131 und diversen anderen AQAP ergänzt.
Folgende NATO Vorgaben sind aktuell wichtige Bestandteile der AQAP:
- AQAP 2000: NATO-Grundsätze für einen systemintegrierenden Qualitätssicherungsansatz während des gesamten Lebenszyklus
- AQAP 2009: NATO-Leitfaden für die Anwendung der AQAP-2000-Reihe
- AQAP 2070: NATO-Prozess der gegenseitigen Güteprüfung
- AQAP 2105: NATO-Anforderungen für Qualitätsmanagementpläne
- AQAP 2110: NATO-Qualitätssicherungsanforderungen für Entwicklung, Konstruktion und Produktion
- AQAP 2120: NATO-Qualitätssicherungsanforderungen für Produktion
- AQAP 2130: NATO-Qualitätssicherungsanforderungen für Prüfung und Test
- AQAP 2131: NATO-Qualitätssicherungsanforderungen für Endprüfung
- AQAP 2210: NATO-Zusatzforderungen zu AQAP 2110 für die Qualitätssicherung bei Software
- AQAP 2310: NATO-Qualitätsmanagementanforderungen für Auftragnehmer im Bereich der Luft-, Raumfahrt und Rüstung
Qualitätssicherung bei Aufträgen der Bundeswehr
Bei Aufträgen der Bundeswehr werden dem Auftragnehmer besondere Anforderungen hinsichtlich der Qualitätssicherung im Rahmen des Qualitätsmanagements gestellt. Nicht jede Lieferung erfordert eine AQAP Zertifizierung!
Die Grundzüge der Qualitätssicherung von Wehrmaterial in der Bundeswehr basieren auf dem Qualitätssicherungskonzept der NATO. Dieses war Grundlage für die Internationale Normung auf dem Gebiet des Qualitätsmanagements. Das BWB als öffentlicher Auftraggeber erwartet, dass der Auftragnehmer alle notwendigen Prozesse seines Qualitätsmanagementsystems auf den Vertragsgegenstand anwendet. Dies bedeutet, dass ein Unternehmen ein Qualitätsmanagementsystem unterhalten muss, das die für den jeweiligen Vertragsgegenstand geeigneten Qualitätsplanungs-, Qualitätslenkungs-, Qualitätssicherungs- und Qualitätsverbesserungstätigkeiten umfasst.
Qualitätssicherungskonzept der NATO
Das Qualitätssicherungskonzept der NATO war die Grundlage für die Internationale Normung auf dem Gebiet des Qualitätsmanagements. Die Grundlagen und Begriffe sind in der Norm ISO 9000 enthalten, die Anforderungen an das Qualitätsmanagement in ISO 9001.
